Dienstag, 9. Juni 2015

Realitätsflucht #386 - The Last Ship

Ich habe mir in der vergangenen Woche zwei neue Serien angesehen und ein neues Rollenspiel angefangen (Realitätsflucht, wissenschon). Eine der Serien war handwerklich gut gemachter Dreck, eine ist ein wunderschön phantasievolles modernes Märchen. Und dann ist da The Witcher 3.
Aber eins nach dem anderen, der Witcher bekommt noch seinen eigenen Post, den hat er nämlich verdient, ebenso wie die andere Serie.

Der handwerklich gut gemachte Dreck, um den es in diesem Post geht, ist die SciFi-Serie The Last Ship, eine neue Produktion vom US-Sender TNT (Breaking Bad, The Walking Dead), von der Ende Juni die zweite Staffel veröffentlicht wird. Es geht um ein amerikanisches Kriegsschiff dass am Beginn einer weltweiten Viruspandemie in die Antarktis geschickt wird um ein "neues Waffensystem", oder so was, zu testen. Außerdem haben sie ein Wissenschaftler-Team an Bord welches dort "Vögel erforschen" soll. Am Ende der viermonatigen Militär-Mission mit absolutem Kontaktverbot (geheime Waffentests, nationale Sicherheit, blablabla) werden die Wissenschaftler von ein paar russischen Helikoptern angegriffen. Der einzige Überlebende dieses Angriffs erzählt den einigermaßen verwirrten Navy-Soldaten, er wollte "The Cure", also die Heilung, von den Wissenschaftlern. So weit, so spannend.



Es stellt sich dann schnell heraus, dass die Wissenschaftler nicht zufällig mitgenommen wurden, sondern dass die gesamte Mission einzig zu dem Zweck ausgeführt wurde einen nicht mutierten Strang des Virus zu finden, um dann einen Impfstoff entwickeln zu können. Nun erfährt die Crew auch, dass die beiden Wissenschaftler die ganzen vier Monate über Kontakt mit dem CDC (Centers for disease control) hatten um ihre Forschungserkenntnisse weiterleiten zu können. Die Situation im Rest der Welt hat sich in der Zeit dramatisch verschlechtert. Wie die Besatzung und ihr Captain dann erfahren, sind mittlerweile 80 % der Weltbevölkerung ausgerottet und ein großer Teil der Überlebenden ist mit dem Virus infiziert. Regierungen und Infrastruktur sind praktisch nicht mehr vorhanden, kurz: es ist die Apokalypse. Und die beiden Wissenschaftler an Bord des scheinbar letzten aktiven Schiffes der US-Navy sind die letzte Hoffnung der Welt auf ein Heilmittel.

Von der Story möchte ich nicht mehr verraten um  sie nicht zu spoilern, falls ihr euch die Serie noch angucken wollt. Aber über die Ausführung kann ich auch ohne Spoiler schreiben. Was mich an der Serie extrem stört sind erstens und hauptsächlich die eindimensionalen Charaktere, die kaum ein Stereotyp auslassen. Da haben wir die geniale Wissenschaftlerin, den bis zum Erbrechen pflichtbewussten und ehrenwerten Captain, den Judas wider Willen, den machtbesessenen Bösewicht, Crewmitglieder die sich und ihren Kameraden etwas zu beweisen haben und Crewmitglieder die eine verbotene Liebesbeziehung haben, die die ganze Mission in Gefahr bringt. All das überzogen mit einer dicken Zuckerguss-Schicht aus Glorifizierung des Militärs im Allgemeinen und der US-Navy im Speziellen. Das geht so weit, dass ich während der ersten drei Episoden mehr als einmal kurz davor war abzuschalten, mir eine Folge Family Guy oder Futurama anzumachen und meine Augen mit Seife auszuwaschen um das Pathos wieder los zu werden.
Es gibt in der ganzen Show nur einen einzigen Charakter, der so etwas ähnliches wie einen vernünftigen story-arc hat und der eine wirkliche Entwicklung über den Verlauf der Serie macht. Und diese Figur hat dann auch noch viel zu wenig screen time.

Aber es ist nicht alles schlecht an der Show, die übrigens von Michael Bay produziert wird. Ihr wisst schon, der Musikvideo-Regisseur der es irgendwie nach Hollywood geschafft hat und dort nicht einen wirklich guten Film, aber dafür jede Menge drittklassige Remakes von Horror- und SciFi-Klassikern, gemacht hat.
Die Serie ist, wie erwähnt, handwerklich wirklich gut gemacht und lässt sich, von den oben genannten Schwachstellen abgesehen, gut ansehen. Die Geschichte ist zwar von vorne bis hinten vorhersehbar, es gibt keine großen twists, keine Hauptfiguren die sterben, nichts von all dem. Aber dennoch ist es spannende Fernsehunterhaltung, zugegeben auf niedrigstem Niveau, aber nichtsdestoweniger spannend. Und besser als Tatort, oder was es sonst so an "typisch deutschem" TV gibt (was machen die eigentlich mit der ganzen Kohle die sie über die Joseph-Göbbels-Gedächtnisabgabe einsammeln?), ist es allemal. Ob die Serie auch im deutschen Fernsehen läuft und wenn dann wann, kann ich nicht sagen, ich habe sie mir auf, ähem, die unorthodoxe Weise besorgt. Aber bei Interesse könnt ihr ja die Suchmaschine eures Vertrauens benutzen um mehr herauszufinden, oder ihr schickt mir 'ne nette e-mail und ich verrate euch vielleicht meine Quelle.


P.S.: Eben hab ich auf der Suche nach einem Trailer festgestellt dass man die komplette erste Staffel auch auf Youtube finden kann, allerdings in einer ziemlich schlechten Auflösung (360p) und zusätzlich noch mit einem Filter, damit die crawler der TV-Sender nicht gleich mit einer takedown-notice die Videos löschen lassen. Aber um einen Eindruck von der Show zu bekommen reicht das ja aus.

Kommentare:

  1. Auf Deinen Beitrag zu "Witcher 3" bin ich ja sehr gespannt - ich kann mir das Spiel leider nicht leisten, solange es noch so teuer ist. Hoffentlich ändert sich das bald. :-)

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    1. Naja, CD Project Red sind ja dafür bekannt ihre Titel relativ schnell relativ günstig anzubieten, denke mal in 'nem Knappen Jahr bekommst du das Spiel für unter 15 Euro auf den einschlägigen Key-Seiten.
      Mir sind 60€ auch zu viel, hab's zur neuen Gra-Ka dazu bekommen.

      Völlig ohne Zusammenhang zu meinem Post und nicht als Aufforderung zu irgendwas zu verstehen: Die gog.com-Version ist ohne Kopierschutz, mein Lieblingsforum ist tehparadox.com und OCH (One-Click Hoster) sind für Leecher vollkommen ungefährlich.
      BTW, netten Avatar hast du da :-)

      Schönen Gruß

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    2. Äh, vielen Dank für den Tipp ... ;-) Als ich noch keine "linksradikale Propaganda" im Netz verbreitet habe, haben mich derlei Seiten gelegentlich auch angezogen - inzwischen verkneife ich mir das aber, denn ich möchte der überwachenden Bande ja keine allzu billigen Geschenke machen, gelle. ;-)

      Davon abgesehen interessiert mich aber tatsächlich Deine Beschreibung des Spieles, denn was ich dazu bisher gelesen habe, ist - wider Erwarten - doch recht unterschiedlich ausgefallen. Dann übe ich mich mal in Geduld! :-)

      Liebe Grüße!

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