Dienstag, 20. Oktober 2015

Zitat des Tages

"If machines produce everything we need, the outcome will depend on how things are distributed. Everyone can enjoy a life of luxurious leisure if the machine-produced wealth is shared, or most people can end up miserably poor if the machine-owners successfully lobby against wealth redistribution. So far, the trend seems to be toward the second option, with technology driving ever-increasing inequality." (Stephen Hawking)
Auf deutsch in etwa:
Wenn Maschinen alles produzieren was wir brauchen wird das Ergebnis davon abhängen, wie die Dinge verteilt werden. Alle können ein luxuriöses Leben der Muße genießen, wenn der maschinell produzierte Wohlstand geteilt wird. Oder die meisten Menschen enden in erbärmlicher Armut, wenn die Besitzer der Maschinen erfolgreich gegen eine Umverteilung des Wohlstands lobbyieren. Bis jetzt scheint der Trend in Richtung der zweiten Möglichkeit zu gehen, wobei die Technologie eine immer größer werdende Ungleichheit antreibt.
Es braucht zwar kein Genie um das festzustellen, aber es freut mich doch wenn Leute wie Hawking dem Kapitalismus eine so eindeutige Watschen geben. Es gibt übrigens eine ganze Reihe von hochintellektuellen Köpfen, die ähnliches von sich gegeben haben. Beispiel gefällig? Aber gerne doch:
"Technological progress frequently results in more unemployment rather than in an easing of the burden of work for all. The profit motive, in conjunction with competition among capitalists, is responsible for instability in the accumulation and utilization of capital which leads to increasingly severe depressions.… I am convinced there is only one way to eliminate these grave evils, namely through the establishment of a socialist economy, accompanied by an educational system which would be oriented toward social goals." (Albert Einstein, 1949)
Noch einer? Biddeschön:
"And I say to you today, that if our nation can spend thirty-five billion dollars a year to fight an unjust, evil war in Vietnam, and twenty billion dollars to put a man on the moon, it can spend billions of dollars to put God’s children on their own two feet right here on earth… as we talk about “Where do we go from here,” …There are forty million poor people here. And one day we must ask the question, “Why are there forty million poor people in America?” And when you begin to ask that question, you are raising questions about the economic system, about a broader distribution of wealth. When you ask that question, you begin to question the capitalistic economy." (Martin Luther King Jr., 1967)
Zu religiös angehaucht für euren Geschmack? Okay, wie wär's denn mit dem hier, der ist in der Hinsicht völlig unverdächtig:
“I’m not sure what a Socialist is. But I believe that the government has a responsibility to care for the people. I’m not talking about [the] dole – I’m talking about making people self-reliant… there are countries which are able to do that, the United States is an extremely rich country and is perfectly able to do that; it chooses not to. It chooses to have homeless people […] I think it’s a disgrace! This country has vast wealth… think of what that money could be used for: to educate, to help, to bring people up to a sense of self-confidence, to improve not just the happiness of Americans but their economic standing. … We are using money for the wrong stuff.” (Carl Sagan, 1989)
Alles Menschen, denen niemand vorzuwerfen wagt sie wären Träumer oder idealistische Spinner. Menschen, die unser Bild der Welt, wie wir es heute haben, mitgeprägt haben wie kaum jemand sonst. Aber wenn es um die heilige Kuh des Kapitalismus geht, dann stützt sich die Menschheit (oder zumindest die herrschende Klasse) lieber auf misanthrope Auslegungen von Ayn Rands Roman "Atlas shrugged" mit ihrem objektivistischen Weltbild.

Disclaimer: Die Zitate sind geklaut aus diesem Artikel bei contemptor.com, der auch noch einige weiterführende Links enthält. Unter anderem zum tollen Essay "On the Phenomenon of Bullshit Jobs" von David Graeber, den ich jedem der ihn noch nicht kennt hiermit ans Herz legen möchte.
Update: Graebers Essay gibt's auch auf deutsch

P.S. Wenn die englischen Zitate zu viel sind bitte ich um kurze Meldung, dann liefere ich gern eine Übersetzung (nach bestem Wissen) nach, aber im Moment ruft mein Bett so laut dass ich mich nicht auf so was konzentrieren kann. :-)

Kommentare:

  1. Von Graeber habe ich leider noch nicht viel sinnvolles gehört oder gelesen. Genau genommen gar nichts. In der wikipedia wird er wie folgt zitiert:

    »1930 sagte John Maynard Keynes voraus, dass die Technologie bis zum Ende des Jahrhunderts so weit fortgeschritten sein würde, dass Länder wie Großbritannien oder die Vereinigten Staaten eine 15-Stunden-Woche erreicht haben würden. Alles deutet darauf hin, dass er recht hatte. Technologisch gesehen sind wir hierzu in der Lage. Dennoch passiert dies nicht. Stattdessen wurde Technologie dafür eingesetzt, damit wir alle mehr arbeiten. Um dies zu erreichen, mussten Jobs geschaffen werden, die im Resultat sinnlos sind.
    Große Mengen an Menschen, insbesondere in Europa und Nordamerika haben ihr gesamtes Arbeitsleben damit verbracht, Tätigkeiten auszuführen, von denen sie heimlich denken, dass sie eigentlich nicht getan werden müssten. Der moralische und spirituelle Schaden, der hier aus dieser Situation resultiert, ist schwerwiegend. Es ist eine Wunde in unserer kollektiven Seele. Doch niemand spricht hierüber.«


    Es stimmt in sofern, daß es längst machbar wäre, die arbeitszeit drastisch zu kürzen. Aber Graeber denkt nicht drüber nach, warum das nicht gemacht wird, sondern kommt auf so ein zeug »spirituelle schäden« und »wunden der kollektiven seele«. Ich habe aber keine »kollektive seele« und verwundet ist die schon gar nicht. Dabei hätte er doch bloß mal bei den herren Hawking oder Einstein nachschlagen müssen, die Du oben zitiert hast.

    Hawking hat gesagt, daß die eigentümer der maschinen die umverteilung des wohlstandes verhindern. Das hat der alte mann mit dem fusselbart vor 150 jahren schon gesagt und Marxisten schließen daraus, daß die maschinen vergesellschaftet gehören, damit eben nicht für den profit, sondern allein fürs verteilen produziert wird.

    Weshalb im jahr 2015 viele leute in Deutschland eher 42 stunden pro woche arbeiten als 15, hat Albert Einstein 1949 schon gewußt. Es ist zwangläufig so, daß wenn für profit gearbeitet wird, der technische fortschritt menschen überflüssig macht, während die arbeit für die, die noch gebraucht werden, nicht leichter oder kürzer wird. Tatsächlich wird der arbeitstag länger und schwerer und eben nicht, weil »spirituell« oder »moralisch« etwas schief laufen würde, sondern weil die maschineneigentümer mit der arbeitslosigkeit einen weiteren hebel in der hand haben, die lohnarbeiter zu erpressen.

    So, zwischendurch hab ich auch Deinen link zur Deutschen übersetzung des textes von Graeber gefunden (ich bin für gewöhnlich zu faul, englische texte zu lesen). Nach dem lesen muß ich nichts vom bisher gesagten zurücknehmen. Beim lesen dachte ich »hat der einen klatsch an der birne?« Hat er höchstwahrscheinlich nicht. Er hat bloß offensichtlich unser wirtschaftssystem nicht für fünf pfennig verstanden.

    Da schimpft er über die sinnlosigkeit bestimmter arbeiten und bezieht sich ausgerechnet auf Keynes. Keynes hatte ein kapitalismusrettungsprogramm entwickelt, in welchem durch die künstliche schaffung von arbeitsplätzen die wirtschaft angekurbelt werden sollte. Der staat soll ein krümelchen von den reichen wegnehmen, das die armen natürlich nicht so zugeteilt bekommen, sondern gegen arbeit. Der staat investiert natürlich nicht in »sinnlose« arbeit, sondern in »sinnvolle« dinge, wie beispielsweise aufrüstung. So geschehen beim »new deal« in den 1930ern in den USA. Dadurch wurde der staat weltkriegsbereit.

    Graeber ist sicherlich ein netter mensch, der es gut mit den menschen meint. Allerdings analysiert er nicht, wo die ursachen der probleme liegen. Stattdessen begibt er sich auf ziemlich abwegige pfade.

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    1. PS: Auf Ayn Rand wollte ich an dieser stelle nicht auch noch eingehen.

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    2. Nun, der Mann ist Anthropologe und fühlt sich vermutlich nicht zuständig für Lösungsvorschläge, was ich bei einem Essay auch nicht erwarte. Die allwissende Müllhalde (aka Wikipedia) meint zum Essay: "Im Gegensatz zum Traktat oder zur wissenschaftlichen Abhandlung verzichtet ein Essay auf objektive Nachweise und definitive Antworten."

      Das er sich auf Keynes bezieht ist allerdings wirklich albern, aus genau den Gründen die du angibst. Nichtsdestoweniger finde ich den Text gelungen, gerade um ihn Leuten zum lesen zu geben, die (noch) mit beiden Beinen voll im System stehen, so als Denkanstoß.

      Und auf Ayn Rand brauchste auch nicht eingehen. Ich habe Atlas shrugged und Fountainhead nicht gelesen, aber schon sehr viel über sie und den Kult der sich, vor allem in den USA, um ihre Person und ihre "Philosophie" gebildet hat. Grausliger geht's kaum. Ich halte es da mit Officer Barbrady von Southpark ;-)

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    3. Ayn Rand muß man nicht unbedingt lesen, »Atlas Shrugged« ist quallektüre 1300 seiten lang. Ich habe es gelesen und kann es in einem satz zusammenfassen: ohne kapitalisten müßten wir alle kläglich verhungern, weil wir dumm sind. Mehr steht da nicht drin. Aber so ist das, wenn man seitenhonorar bekommt, da muß man zeilen schinden, damit es mehr knete gibt.

      Nein, ich habe an Graebers artikel keinesfalls kritisiert, weil er keine lösung bietet, sondern weil er eine völlig falsche kritik am system übt.

      Wenn man feststellt, daß Keynes leider gar keine besonders menschenfreundlichen ideen hatte, dann sollte man diese verwerfen - und nicht leuten zum lesen geben die mit »beiden beinen im system« stehen. Unter denen gibt es ohnehin genug leute die den sogenannten »neoliberalismus« schlecht finden und Keynes gut finden, damit alles wieder so »schön« wird, wie in den 70er jahren. Aus den zitaten der beiden physiker kann man viel mehr lernen als aus Graebers text, der behauptungen enthält, die einfach haarsträubend falsch sind.

      Beispielsweise seine doofe konsumkritik. Er behauptet, »wir« hätten die wahl gehabt, zwischen »weniger stunden oder mehr spielzeugen und vergnügungen« und hätten »uns kollektiv für letzteres entschieden« - bist Du irgendwann einmal gefragt worden, was Dir lieber wäre und hast eine entscheidung getroffen?

      Ich zumindest nicht. Natürlich nicht. Der mensch wird hier nicht gefragt, wie er denn gern leben würde. Er wird vor vollendete tatsachen gestellt: er muß seine lebenszeit verkaufen, um einen bunten warenberg zu produzieren, von dem er weitgehend ausgeschlossen ist. Graeber irrt ungemein. Es ist nicht die gier der konsumenten nach irgendwelchen alfanzereien, die eine arbeitszeitverkürzung unmöglich macht, sondern wie in dem von Dir erwähnten Einstein-zitat.

      In Deutschland wäre es möglich, sofort die 20-stunden-woche einzuführen und genau so viel zu produzieren wie bisher. Wenn einfach die arbeit auf alle arbeitsfähigen verteilt würde (und die genau 4,3357209 % leute die kein bock auf arbeit haben, könnte man dann locker auch mit durchfüttern). Dann wäre es sogar ein segen, daß viele flüchtlinge nach Deutschland wollen, durch die vielen helfenden hände könnten dann alle früher feierabend machen.

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    4. Okay, das lässt sich nicht bestreiten. Die "Konsumkritik " von Graeber ist ziemlich Wischiwaschi und geht von völlig falschen Grundvoraussetzungen aus. Ehrlich gesagt hatte ich mir Graebers Essay nicht noch einmal richtig durchgelesen und damals, als er herauskam war ich selbst auch noch überhaupt nicht mit der Thematik vertraut. Woran ich mich erinnerte, war seine Kritik an den sinnlosen Bullshit-Jobs, die man schon so stehen lassen kann finde ich.

      Außerdem ist es aber so, dass die "im System" stehenden Menschen, die ich meinte (Handwerker, Industriearbeiter, halt meine Ex-Kollegen), tatsächlich zu 99% noch nie etwas von Keynes gehört haben und die aktuellen Zustände zwar Scheiße finden, aber zum Großteil als gottgegeben annehmen. Und bei denen kann man schon für den ein oder anderen Aha-Effekt sorgen wenn man ihnen so eine Schrift zu lesen gibt.

      Jedenfalls bin ich froh, dass ich mich entschlossen habe Graebers Zitat aus dem verlinkten Artikel nicht gleichberechtigt mit den Worten Einsteins und Hawkings in den Post zu setzen, denn du hast schon recht, im Vergleich zu Einsteins und Hawkings klaren Worten ist Graebers Essay nicht viel wert. Die meisten Leute scheinen sowieso nicht wirklich die verlinkten Texte zu lesen, wenn sie meine Blogposts lesen, also no harm done, I guess :-)

      schönen Gruß

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    5. Dafür sind diskussionen doch da, daß man bestimmte dinge klarstellen kann. An Graebers text war ich interessiert, weil ich den vor einigen jahren im zusammenhang mit »occupy« gehört hatte. Mein eindruck war damals, daß er ziemlich konfuses zeug sprach. Leider hat sich mein eindruck bestätigt.

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